MUM News 2/2025
Neuigkeiten von Martin U. Müller
Liebe Leserin, lieber Leser,
am Wochenende las ich den Begriff Christougenniatikophobie in einer Zeitung. Angeblich bedeutet das soviel wie »Angst vor Weihnachten«. Ich leide nicht darunter – im Gegenteil. Um echte Krankheiten ging es im Talk »Fakt ist!«, bei dem ich zu Gast war. Wir haben darüber gesprochen, ob auch sehr alte Menschen jedwede medizinische Therapie bekommen sollen, wenn sie dies wünschen und wenn es eine Chance auf Wirksamkeit gibt. Meine klare Haltung: Ja, unbedingt! Denn Medizin kennt kein Verfallsdatum.
Die Talkshow ist hier in der ARD-Mediathek zu finden.
Gespräch mit Matthias Prinz
Beeindruckt hat mich ein Gespräch mit dem Hamburger Medienanwalt Matthias Prinz. Ein Thema beherrschte das Gespräch, das Markus Brauck und ich mit ihm geführt haben: jener Schicksalstag 2014. Prinz war beim Joggen zusammengebrochen und ist nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf den Rollstuhl angewiesen. Sein Leben im Rollstuhl belastet den 69-Jährigen. Auf die Frage, ob er nach den fast sieben Jahrzehnten seines Lebens mehr Dankbarkeit empfinde oder ob nach dem Schicksalsschlag die Bitterkeit überwiege, sagte Prinz: »Ich empfinde tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich noch lebe. Es hätte an jenem Tag zu Ende sein können. Das war ziemlich knapp.« Das Gespräch hat viele Menschen bewegt, ich bin darauf sehr viel angesprochen worden. Hier kann es nachgelesen werden: »Ich bin im Glück losgelaufen und im Scheiß gelandet«
Im Garten von Prinz’ Stadthaus in Hamburg-Harvestehude. Foto: Melina Mörsdorf
Planlos im Papenburg
Relevanz einer journalistischen Recherche zeichnet sich noch immer durch viele Zitate aus – damit ist gemeint, dass andere Journalisten eine Recherche zitieren. Viel zitiert worden ist meine Geschichte zur Meyer Werft. Die steht kurz vor einem Milliardenauftrag. Allerdings kritisiert die entmachtete Meyer-Familie das aktuelle Management der Werft. Das operative Herz des Unternehmens sei verwaist. Können Mediatoren den Konflikt lösen? Im Gespräch ist dafür jemand, mit dem ich mich schon früher in meinem Journalistenleben ausführlich befasst habe: Christian Wulff. Das hier war übrigens der allererste Text von mir, in dem es auch um ihn ging – es sollten zahllose folgen. In der aktuellen Recherche zur Meyer Werft ist er nur eine Randfigur: Meuterei auf der Meyer Werft
Die Wut der Apotheker
Apotheker und Ärzte sind die Berufsgruppen, die mir am meisten Protest-Mails nach Texten senden. Diesmal betraf es ein Interview mit einem Apotheker – wenngleich es eigentlich weniger um das Interview ging. Für unseren Newsletter »Die Lage« wurde ich um eine kurze Einschätzung zu neuerlichen Apotheker-Protesten gebeten. Dort stand, was für Entrüstung sorgte: "Mein Kollege Martin U. Müller hat den Filialleiter einer Hamburger Apothekengruppe interviewt. »Unser Protest ist moderat«, sagt der Mann. Der »Licht‑aus‑Protest« ist umstritten. Das durchschnittliche Jahreseinkommen selbstständiger Apothekeninhaber in Deutschland liegt bei rund 160.000 Euro. Der von meinem Kollegen befragte Apothekenleiter Nicolas Della Seta argumentiert allerdings, dass der Einkommensdurchschnitt wenig über die Not einzelner Apotheken aussage und fordert unter anderem politische Reformen. Sonst müssten viele Betriebe womöglich bald schließen.» Die Apotheker sind eine der wohlhabendsten Opfergruppen in Deutschland«, sagt mein Kollege Martin. »Immer wieder suggerieren sie, dass ein gesundheitliches Fukushima droht, wenn etwa Onlineapotheken in ihrem Geschäft mitmischen.« Dabei verteidigten sie nicht die Versorgung der Bevölkerung, sondern ihre Strukturen – »gegen Wettbewerb, gegen Wandel, gegen Realität«. Es handle sich um eine Branche, findet mein Kollege, »die gelernt hat, politisch zu drohen und wirtschaftlich zu jammern. Die Themen variieren: Mal geht es ihnen um Lieferengpässe, mal um den Schwund der Zahl der Apotheken. Doch neue Geschäftsmodelle, etwa Impfen in der Apotheke, Beratung zu Blutdruck oder Medikation, setzen die meisten Apotheken erst gar nicht um.«” Das Interview wiederum sagte vielen Apothekern zu. Ich hoffe sie meinen nur die Antworten, nicht meine Fragen. »160.000 Euro Einkommen sind nur ein statistischer Durchschnitt«
Bei HNO-Arzt Alexander Loch in seiner Berliner Praxis.
Mikrofon im Sprechzimmer
Ich war in Berlin-Waidmannslust und habe mir in der HNO-Praxis von Alexander Loch angesehen, was uns zukünftig beim Arztbesuch erwartet. Alles fängt mit der Terminvergabe an. Wer möchte, kann auf der Website von Lochs Praxis direkt mit der Praxis chatten. Antworten werden binnen zwei Stunden innerhalb der Öffnungszeiten versprochen. Wer lieber anrufen möchte, landet wahrscheinlich beim Anrufbeantworter. Ein digitales Transkript der hinterlassenen Nachricht geht direkt an Arzthelferin Ramona Schütt. Die Mutter von drei Kindern arbeitet regelmäßig im Homeoffice und steuert die Praxis von dort aus. Ganz so, als würde sie hinter dem Praxistresen sitzen. »Wir können automatisiert oder individuell antworten«, sagt sie. Mediziner Loch hingegen muss in der Praxis präsent sein. Sein Sprechzimmer kommt ziemlich analog daher. Mit einer Ausnahme: Am Rand des Schreibtischs steht ein Mikrofon. Stimmt der Patient zu, kann das Gespräch aufgezeichnet werden. Die Software baut daraus einen Arztbrief. Bilder aus Ultraschall oder Endoskopie gelangen per Klick in die Akte. Die Abrechnung wird automatisch erstellt.
Ich habe Loch gefragt, ob Patienten wirklich wollen, dass ihre Gespräche aufgezeichnet werden. Er sagt: Fast 100 Prozent würden zustimmen. Wenn KI in der Arztpraxis mithört
Ich wünsche frohe Weihnachten und einen guten Start in ein glückliches und vor allem gesundes Jahr 2026!
Martin U. Müller
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